Der Römerpark Cambodunum in Kempten

Ein rekonstruierter Tempelbezirk, die Überreste des Forums und die überdachten Ausgrabungen der Kleinen Thermen bieten einen tiefen Einblick in die römische Kultur der Stadt vor 2000 Jahren.

Römerpark Cambodunum

Römerinnen und Römer im Römerpark Cambodunum

Auf Cäsars Spuren im Römerpark

Wir beginnen unsere Spurensuche am gallorömischen Tempelbezirk, der am Rand der Illerhochterrasse hoch über dem Fluss und über der heutigen Altstadt von Kempten liegt. Das im ersten Jahrhundert gegründete römische Cambodunum war zunächst Hauptstadt der römischen Provinz Rätien, bis Augusta Vindelicorum (das heutige Augsburg) diese Rolle übernahm. Ein solch bedeutendes Verwaltungszentrum brauchte auch einen ausgedehnten Kultbereich, der hier mit dreizehn zum Teil originalgetreu nachgebauten Tempeln und Kultbauten den Glauben der römischen, gallorömischen und germanischen Bevölkerung widerspiegelt.

Römerpark Cambonunum

Eine Latrine im Römerpark Cambonunum

Schautafeln und Fundstücke in Vitrinen lassen das religiöse Leben der Bewohner, die Vielfalt ihrer Götter und Bräuche wieder aufleben. Im rekonstruierten Herkulestempel stehen auf dem Altar vor dem Gott Herkules immer frische Opfergaben. Bei Kinderführungen geht es hier nicht nur um das Thema Götter, sondern auch um die Freude der Römer am Spiel. Schnell haben die Führer einen Spieltisch zur Hand und lassen die Kinder alte Brettspiele, aber auch Würfelspiele wie das Astragalspiel ausprobieren, bei dem mit polierten Sprunggelenksknöchelchen von Tieren gewürfelt wird.

Begeistert scharen sich die Kinder um das Rundmühlespiel, das in einem Flügel der umlaufenden Säulenhalle zu finden ist. Im kleinen Laden am Eingang, der Taberna, kann man neben Erfrischungen auch Literatur über die Römer, römische Lebkuchen, Honigwein (nur für Erwachsene!) und Repliken von Funden wie Öllampen oder Fibeln (Nadeln, um die Kleidung zusammenzustecken) erstehen.

Vom Tempelbezirk aus geht es über den Spielplatz und dann links auf eine große Wiese, das ehemalige Gelände des Forums. Hier befand sich das Stadtzentrum der Römerstadt, nur die Basilika, der größte Versammlungsbau der Stadt, ist heute noch mit ihren Grundmauern zu erkennen. Eine der Apsiden ist rekonstruiert, hier fand das Tribunal, die öffentliche Rechtsprechung, statt. Dort findet man heute auch ein kleines Bronzemodell des Forums, das zeigt, wie es vor 2000 Jahren ausgesehen hat.

Tipp
Für Kindergruppen gibt es das Angebot »Museum zum Anfassen«, bei dem die jungen Besucher in römische Gewänder gekleidet werden, auf Wachstafeln schreiben dürfen und noch mehr aus der Römerzeit nacherleben können. Auch die Programme »homo ludens – Spielen wie die Römer« und »Römische Mode« sind sehr beliebt. Wie wäre es mit einem Kindergeburtstag im römischen Ambiente? Buchungen unter 0831/2525200 oder 2525369.

Die Lebensart der Römer erkunden

Römerpark Cambonunum

Junge Römer beim Brettspiel im Tempelbezirk

Anschließend gehen wir weiter in östlicher Richtung und stoßen gleich auf die moderne Glashalle, die die Ausgrabungen der Kleinen Thermen schützt. Dabei handelt es sich um das Privatbad des römischen Statthalters (Prätors), dessen Palast (Prätorium) sich unmittelbar an die Thermen anschloss.

Im Badekomplex genossen er, seine Mitarbeiter und Gäste römische Badekultur. Noch heute kann man gut das System der römischen Fußbodenheizung erkennen, die unter verschiedenen Räumen der Thermen eingebaut war. Kleine Pfeiler trugen den Fußboden, durch die Hohlräume dazwischen wurde heißer Wasserdampf eingeleitet. Von einem umlaufenden Steg aus lassen sich die verschiedenen Räume gut unterscheiden.

Besonders interessant für Kinder sind die Latrinen mit den rekonstruierten Sitzen und der Reinigungsbürste, wobei jeder Besucher seine eigene mitbrachte. Spätestens jetzt versteht jeder die Redewendung »sein Geschäft machen«, denn hier saßen die Besucher bei der Erledigung ihrer menschlichen Bedürfnisse einträchtig nebeneinander und sprachen eben auch über die neuesten Geschäfte oder schlossen sie gar ab.

Erneut machen Schautafeln und Ausgrabungsfunde in Vitrinen römische Lebensart anschaulich. Das Badewesen spielte in der römischen Kultur eine ausgesprochen zentrale Rolle. Vor der Glashalle befindet sich in einem kleinen Schuppen ein Filmraum, wo man einen Film zur Badekultur Kemptens, von den Römern bis heute, ansehen kann.

Anfahrt In Kempten am östlichen Stadtrand der Beschilderung Archäologischer Park Cambodunum (weiße Schrift und römisches Tempelsymbol auf braunem Grund) nachfahren.
Öffnungszeiten 1. Mai bis 31. Oktober täglich außer Mo 10–17 Uhr, 1. November bis 30. April 10–16.30, Mitte Dezember bis Mitte März geschlossen.
Preise Erwachsene: 3 Euro, Kinder ab 6 Jahren und Schüler: 1,50 Euro, Familienkarte: 6 Euro.
Führungen Kostenlose Führung jeden So 11 Uhr. Kostenlose Führung im römischen Gewand jeden zweiten So im Monat 11 Uhr. Themenführungen nur für Gruppen und bei Voranmeldung: 0831/2525369 oder 2525200.
Info Cambodunumweg 3 (Tempelbezirk) und Thermenstraße, 87437 Kempten, Tel. 0831/79731.
Einkehr Im Kiosk Taberna am Eingang zum Tempelbezirk gibt es warme und kalte Speisen, Kuchen und Getränke. Nur von Mai bis Oktober geöffnet.
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