Kamelreiten im Allgäu

Wie im Orient fühlt man sich zwischen Kleopatra, Thutmosis und Hatschepsut. Das Streicheln und Bürsten der Kamele macht Spaß, ein Ritt auf der Koppel oder durch die Allgäuer Hügel sind der Höhepunkt jedes Besuchs.

Kamelreiten Allgaeu

Kamelreiten mitten im Allgäu

Eine Kamelfarm mitten im Allgäu

Beim Ausflug auf die Kamelfarm wandern nicht die Kinder, sondern höchstens die Kamele. Zunächst heißt es jedoch, das Gelände und die Tiere zu entdecken. Die Anlage ist blickdicht eingezäunt, erst nach der Kasse ist das Staunen groß. Verteilt auf eine großzügige Weidefläche stehen oder liegen die Wüstenschiffe im Gras, käuen wieder, träumen von schnellen Rennen und sind oft auch ganz heftig verliebt. Die Besitzerin der Farm, Christine Sieber, war immer schon eine Freundin der hochbeinigen eleganten Tiere. 1997 gehörte sie zu einer Gruppe, die vom Präsidenten der Arabischen Emirate eingeladen wurde, einige Wochen lang am Training der Kamelreiter und an einigen Kamelrennen teilzunehmen. Eines der Rennen gewann Christine sogar – zur Überraschung der Araber, denn ihre Profireiter sind ausschließlich Kinder, weil die wegen ihres niedrigen Gewichtes größere Siegeschancen haben.

Die Kamelrennen zwischen Abu Dhabi und Dubai sind bei arabischen Männern sehr beliebt, nur sie dürfen zusehen, für Frauen ist der Rennplatz tabu. Umso exotischer war daher die deutsche Reiterin, die auch noch einen Sieg davontrug. Heute reist Christine immer wieder einmal in die Arabischen Emirate, aber nicht mehr, um Rennen zu reiten, sondern um Tiere und Zubehör zu kaufen.

Kamelreiten Allgäu

30 Tiere leben auf der Kamelfarm in Seeg

Tipp
Wie unterscheidet man Kamele, Trampeltiere und Dromedare? Ganz einfach: Trampeltiere haben zwei Höcker, Dromedare einen und beide gehören zur Familie der Kamele. Heute gibt es nur noch ganz wenige wilde Trampeltiere in der Wüste Gobi, Dromedare sind alle gezähmt. Ein ausgewachsenes Kamel wiegt 600–1000 Kilo, ein Neugeborenes 30–50 Kilo.

Ein Ritt auf dem Wüstenschiff

Auch in Deutschland finden gelegentlich Kamelrennen statt. Weil auf die Tiere jedoch keine Wetten abgeschlossen werden dürfen, sind sie für die großen Rennbahnen von geringem Interesse. Die Rennen finden auf Veranstaltungen wie dem Kaltenberger Ritterturnier statt, wo in erster Linie das Dabeisein wichtig ist. Neben den über 30 Kamelen leben auf der Farm auch Alpakas, die eine Unterart der Lamas sind und die amerikanischen Verwandten der Kamele.

Kamelreiten Allgaeu

Die Kamele lassen sich nur allzugern striegeln

Kinder freuen sich im Streichelzoo besonders an Eseln, Ziegen und Hasen. Meerschweinchen, Papageien, ein Hund und Minischweine machen den Zoo komplett. Die Kamele freuen sich vor dem Reiten auf das Bürsten, das auch die Kinder übernehmen dürfen. Zur Farm gehört eine Reptilienausstellung mit einigen unheimlichen Artgenossen und ein orientalischer Basar, auf dem man von Kamelzubehör über Gutscheine und Geschenkartikel vieles kaufen, aber auch nur schauen kann. Das marokkanisch eingerichtete Königszelt entführt die Kinder in die Welt von 1001 Nacht.

Höhepunkt des Besuches ist sicherlich für alle Kinder der Ritt auf den Wüstenschiffen. Das ist für einige Runden sehr preiswert in der Koppel möglich, aber man kann auch stunden- oder halbtagesweise durch das hügelige Voralpengelände reiten. In der Koppel müssen sich die Tiere nicht auf den Boden legen, um die Reiter aufsteigen zu lassen. Das häufige Aufstehen und Absetzen, wie man es oft in Urlaubsgebieten beim Kamelreiten sieht, ist für die Tiere nämlich eine schlimme Schinderei und geht gehörig in die Gelenke. Dank Leiter fällt das Aufsteigen trotzdem nicht schwer.

Tipp
Ein Kamel ist extrem anpassungsfähig an seine Umwelt. Es kann bis zu einem Viertel seines Körpergewichtes an Wasser verlieren, bei Menschen wären schon 10 Prozent lebensgefährlich. Die Nasenlöcher sind durch Muskeln verschließbar, das Kamel kann den Wasserdampf der ausgeatmeten Luft resorbieren. Die Körpertemperatur kann bei großer Hitze um 7 Grad ansteigen, das verringert den Wasserverlust durch Schwitzen.

 

Die Gangart der Kamele ist im Vergleich zu der der Pferde etwas ganz Besonderes. Der Passgang, das gleichzeitige Auftreten mit beiden Beinen einer Seite, bewirkt ein eigentümliches Schaukeln, fast wie ein Schiff im Wellengang, daher auch der Ausdruck Wüstenschiff. Im Orient haben die Menschen noch heute eine enge Beziehung zu den Kamelen. Der häufig vorkommende Vorname »Gamal« heißt nichts anderes als Kamel. Bei uns benutzt man Kamel eher als Schimpfwort, obwohl Kamele alles andere als dumm sind.

Anfahrt Auf der A 7 von Kempten Richtung Füssen bis zur Ausfahrt Seeg, kurz Richtung Seeg fahren und an der nächsten Abzweigung rechts Richtung Hack, Kamelfarm.
Öffnungszeiten April, Mai: Do–So 10–18 Uhr, Juni bis September: tgl. 10–18 Uhr, Oktober: Do–So 10–16 Uhr.
Preise Eintritt für Erwachsene: 5 Euro, für Kinder (4–12 Jahre): 2,50 Euro. Zwei Runden Reiten in der Koppel Sa und So nachmittags: 3 Euro. Stundenausritt (inkl. Eintritt) für Erwachsene: 55 Euro, für Kinder: 25 Euro
Info Christine Sieber, 87637 Seeg, Ortsteil Hack, Tel. 08369/910640, www.kamelfarm-allgaeu.de
Einkehr An Picknicktischen kann man mitgebrachte Brotzeit verzehren, außerdem gibt es Getränke, Eis, Kaffee, Kuchen und Würstchen.
Besonderes Für Gruppen kann man Halbtagesausritte buchen, bei Bedarf mit einem orientalischen Büfett
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